Konstanz Erzählt

Die Künstlerin

Elisabeth Mühlenweg: Mädchen mit Halsschmuck, 1943; Aquarell und Bleistift auf Papier, 45,5 x 38 cm; Städt. Wessenberg-Galerie Konstanz, Depositum Kunstverein Konstanz

Seit wann machen Frauen eigentlich Kunst? Wieso scheint heute kaum einer eine Künstlerin aus den früheren Jahrhunderten zu kennen? Und warum gibt es gerade immer mehr Ausstellungen, die ihre Namen in die Öffentlichkeit zurückbringen?

Wir haben Frau Dr. Barbara Stark in der Wessenberg-Galerie in Konstanz besucht, um Antworten auf diese Fragen zu bekommen.

„Es ist tatsächlich unsere zweite Ausstellung, die sich ganz dezidiert mit dem Thema ‚Künstlerinnen‘ beschäftigen. Die Ausstellung damals hieß einfach nur „Eigenwillig. Künstlerinnen am Bodensee. 1900-1950.“

Auf den Spuren von Künstlerinnen aus dem 19. Jahrhundert muss man sich nicht in ferne Länder begeben, es gibt sie auch im Umkreis um den Bodensee.

10 Künstlerinnen bekommen ab dem 15. Juni eine eigene Ausstellung in der Wessenberg-Galerie. Sie alle haben um den Bodensee herum gelebt und dabei großartige Werke in unterschiedlichsten Formaten hergestellt.

Nelly Dix: Maria mit Jesuskind, 1946; Mischtechnik, 21,5 x 17,7 cm; Städt. Wessenberg-Galerie Konstanz

In unserem Interview erzählt Frau Dr. Stark offen über die Beschränkungen, die Frauen bis Anfang des 19. Jahrhunderts, und auch noch heute in ihrem Beruf als Künstlerinnen erfahren. 

Wenn Gertraud Herzger von Harlessen zeichnen wollte, dann tat sie es heimlich, damit ihr Ehemann davon nichts mitbekam.

Gertraud Herzger von Harlessem: Ruth, 1929; schwarze Kreide auf Papier, 46 x 35 cm; Städt. Wessenberg-Galerie Konstanz

„Das führte dann auch dazu, dass sie Depressionen bekam. Was ganz klar ist, wenn du so einen wichtigen Teil von dir selbst unterdrücken musst.“

Immer wieder zieht Dr. Stark aus ihrem schier unermesslichen Wissensschatz die Geschichten über vergessene Frauen hervor. Immer wieder scheint es nach dem gleichen Muster abzulaufen:

Sie können malen, aber sie dürfen keine Ölfarben benutzen. Sie können in einer Künstlerwerkstatt arbeiten, aber nur wenn sie dem Vater oder Bruder gehört. Sie können kleine Medaillons bemalen und verkaufen, aber nicht an einer Kunstschule studieren.

Aber das bedeutet nicht, dass es vor dem 18. Jahrhundert keine Künstlerinnen gab!

So hat sich der Namensgeber der Galerie, Ignaz Heinrich von Wessenberg, persönlich für die Konstanzer Malerin Marie Ellenrieder eingesetzt, damit sie an einer Kunstschule ausgebildet werden durfte. 

Ignaz Heinrich von Wessenberg.

Mit ihrer Ausstellung möchte Dr. Stark diese Frauen in das Bewusstsein der Menschen rücken. Dafür hat sie auch einiges geplant: Es gibt eine Lesung mit musikalischer Umrandung, eine Stadtführung, eine kleine Zeitung und natürlich die Ausstellung, bei der die Werke der Künstlerinnen zu sehen sind.

Marie Ellenrieder: Die Pilgerin, 1854; Öl auf Leinwand, 112,2 x 89,4 cm; Rosgartenmuseum Konstanz

Fun Fact:

Interessanterweise haben Ausstellungen über Frauen immer mehr zugenommen, allerdings gibt es dafür auch einfach einen wirtschaftlichen Grund: Mehr als 70% der Museumsbesucher sind weiblich.

Immer mehr Kunstausstellungen beschäftigen sich daher mit weiblichen Künstlerinnen und diesen Sommer gehört Konstanz auch dazu.

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Thema von Anders Norén