Konstanz Erzählt

PASSING

Das bin ich, und das ist auch gut so.

Der Film beschäftigt sich mit (Geschlechter-)Identitätsfragen sowie der Suche nach der eigenen Identität. Fragen wie „Wie werden Geschlechterrollen von der Gesellschaft definiert?” Und “Wie sollte sich das jeweilige Geschlecht verhalten” spielen eine zentrale Rolle.

Der Film erzählt die Geschichte vom Überwinden persönlicher Konflikte und der Akzeptanz, das Leben auf seine eigene Weise zu leben. 

Darsteller 1 läuft in sein Zimmer und setzt sich nachdenklich an seinen Schminktisch, auf dem noch mehrere Schminkutensilien, sowie Parfüm und Schmuck stehen.

Der Gedanke, diese weiblich konnotierten Gegenstände jetzt wegwerfen zu müssen, um wieder ein gesellschaftlich vorgegebenes Bild zu verkörpern, wird immer lauter. Erinnerungen an frühere Zeiten werden wach gerufen und seine Emotionen wechseln zwischen Freude und Traurigkeit.

Doch dann findet er einen Ring, der ihm einmal viel bedeutet hat. Er realisiert, dass seine neue Identität an der Wichtigkeit dieses Rings nichts ändert. Von diesem Moment an beginnt er seine Einstellung zu ändern.

Der Kampf, sich in einer Gesellschaft, die in bestimmten Erwartungen und Stereotypen gefangen ist, mit seiner Identität zu beschäftigen stellt den Ausgangspunkt des Kurzfilms dar. Dieser Kampf und die Ungewissheit wechselt im Verlauf des Films zu einer Akzeptanz und Zufriedenheit mit der eigenen Identität.

Was siehst du, wenn du in den Spiegel schaust?

Beim Dreh des Kurzfilms wurde darauf geachtet, viele unterschiedliche Einstellungen zu verwenden, um die Handlung möglichst flüssig und facettenreich wiederzugeben. Es wurden Detailaufnahmen verwendet, um dem Zuschauer die Bedeutung jeder einzelnen Handlung deutlich zu machen: das Aufschrauben des Nagellacks zum Beispiel, oder das Berühren und Vergegenwärtigen der einzelnen Make up Artikel, die im Kontext des ‚neuen‘ Lebens eine neue Bedeutung erhalten.

Der Schminktisch spielt eine zentrale Rolle und gilt als die ultimative Verkörperung des Femininen, vom dem sich der Darsteller zunächst komplett lösen möchte. Deswegen ist sowohl der erste Shot als auch das Schlussbild auf ihn konzentriert. 

Spieglein, Spieglein.

Im Film wollten wir vermeiden, den Spiegel als eine Metapher für das Wiederspiegeln des alten bzw. neuen Ichs zu verwenden. Der Darsteller sollte nicht in den Spiegel schauen und etwas anderes sehen (sozusagen den ‚falschen Körper) als sein momentaner Körper darstellt.

Hier soll der Blick in den Spiegel seine ursprüngliche Funktion zurückerhalten: (1) um Make up aufzutragen und (2) sich seines Aussehens zu vergewissern und Zufriedenheit hervorrufen.

Der Blick in den Spiegel soll die negative Konnotation verlieren („Ich bin nicht zufrieden, mit dem was ich sehen und deswegen will ich es ändern“) sondern für eine Erweiterung des schon existierenden positiven Verhältnisses mit dem Körper sein („Ich bin schon richtig, so wie ich bin, aber mit dem Make up kann ich andere Seiten an mir hervorheben und akzentuieren“). So soll der Film auch „body positivity“ (die Akzeptanz des eigenen Körpers auch wenn er nicht gesellschaftlichen Schönheitsidealen entspricht) hervorheben.

Das Verstehen des Films liegt im Erkennen der kleinen Details. Die Trans-Pride Flag hat die Farben weiß, rosa und blau.

Die Idee entwickelte sich aus dem Gespräch mit Mateo heraus, der von eigenen Erfahrungen und Gesprächen mit anderen Trans- Männern erzählte. Dabei hob er hervor, dass eine neue männliche Identität bei manchen das Gefühl hervorrief, sich von „femininen“ Dingen abwenden zu müssen. Er betonte, dass das durchaus eine bewusste Entscheidung sein konnte, was bei uns die Erinnerung an die Vorlesung über Niklaus Flütch und sein Buch weckte.

In der Abschlussdiskussion wurde angesprochen, dass er sich betont „maskulin“ auf dem Buchdeckel präsentierte. Trans Männer und Frauen können sich bewusst dafür entscheiden, sehr maskulin bzw. feminine aufzutreten und sich so in ihrer Geschlechterolle besser zurecht zu finden. Ganz nach Jutta Butlers „Gender is a performance“ Idee.

In diesem Zusammenhang ist es aber nicht negativ konnotiert, sondern wird bewusst eingesetzt um ein „passing“ in der Gesellschaft möglich zu machen. Oder, es wird eingesetzt da es einfach dem Wunsch der individuellen Person entspricht. In unserem Film wollten wir einen Schritt weitergehen und die Idee vom „maskulinen“ und „femininen“ weiter dekonstruieren.

Was macht Make up zu einer Frauensache? Die Tatsache, dass es fast ausschließlich von Frauen getragen wird. Was passiert aber wenn sich mehr Männer mit Make up beschäftigen würden? Würde es irgendwann für alle Geschlechter akzeptable werden, wie etwa das Tragen einer Hose? Und was bedeutet es im Kontext von Transidentität?

Schuldet es der Trans Mann oder Frau der Welt, sich ausschließlich nach seinem Geschlecht zu kleiden oder zu verhalten? Kann er trotzdem noch mit Make up nach draußen gehen? Kann sie weiterhin einen Bart tragen? Die Antwort, die unser Film darauf geben möchte ist „Ja, wenn sie es will. Ja, wenn er das will.“ 

Geschlecht als Performance kann bewusst eingesetzt werden und genauso bewusst dekonstruiert werden. Was letzen Endes wichtig ist, ist die Zufriedenheit mit sich selbst, das Wohlfühlen im eigenen  Körper, der letzte Blick in den Spiegel der sagt: Das bin ich, und das ist auch gut so.

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